Gaby Seeger

"Monsieur Jean und sein Gespür für Glück" GA-TIPP vom 24.06.2017

 

 

Gaby Seeger

"Die Perlenfrauen" GA-TIPP vom 01.04.2017

„Verschiedene Leben durch eine wundervolle Kette verbunden. Drei Generationen durch eine Lüge getrennt. 66 Perlen – eine fehlt. Ist sie der Schlüssel zum Glück?“

 Mit diesen Worten beginnt eine Kunden-Leseprobe, die uns vom Heyne-Verlag zu dem Buch „Die Perlenfrauen“ von Katie Agnew zugeschickt wurde.

Im Jahr 1947 bekam die Schauspielerin Matilda „Tilly“ Beaumont von ihrem Vater zum 18. Geburtstag eine atemberaubend schöne, echte Perlenkette geschenkt. Das Schmuckstück begleitete sie durch ihre ruhmreiche Karriere hindurch und zierte ihren Hals auf den glamourösesten Partys. Sie vererbte sie ihrer Tochter Alice, aber auf mysteriösem Weg verschwand die Kette jedoch spurlos, bevor Tillys Enkelin Sophia diese überhaupt sehen konnte. Ihre schwer kranke Großmutter Tilly steht als einziges Familienmitglied mit Sophia in Kontakt und schickt ihr Briefe mit ihren Memoiren und der Bitte, sie besuchen zu kommen. Nach langem Zögern ringt sich Sophia zu einem Besuch durch und erfährt Tillys sehnlichsten Wunsch: Sie möchte, dass Sophia die wertvolle Perlenkette findet, die Tilly einst von ihrem Vater geschenkt bekam.

Die Perlenkette könnte nun einige ihrer Probleme lösen, aber was sind die eigentlichen Gründe für Tillys Auftrag? Und wie soll Sophia ein Erbstück finden, das sie noch nie gesehen hat? Sie bleibt hartnäckig und begibt sich auf Spurensuche…

Weiter wird die Lebensgeschichte der aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Japanerin Aiko erzählt, deren Mutter eine Perlentaucherin war und unter Einsatz ihres Lebens nach der perfekten Perle tauchte. Das kräftezehrende Leben der Perlentaucherinnen und ihre gefährliche Suche nach den besonderen Muscheln tief im Meer werden interessant beschrieben. Man erfährt außerdem, wie das außerordentliche Collier entstanden ist. Aiko jedoch war schon als junges Mädchen zielstrebig und clever auf ihrem Weg in ein besseres Leben.

Der Leser erhält äußerst umfassende Einblicke in die Leben aller Beteiligten und darf so manchen emotionalen Moment miterleben. Im gelungenen Finale werden die Zusammenhänge schließlich klar und so manches Geheimnis wird gelüftet.

Ein schöner leichter Frauenschmöker, unterhaltsame und gefühlsvolle Familiengeschichte mit Charme und etwas Spannung. Das Cover von „Die Perlenfrauen“ ist schlicht und gleichzeitig machen die Farben des Buchcovers Lust auf den Frühling – passend zum Geschenkpapier, wie eine Kundin vor ein paar Tagen anmerkte!

 

Gaby Seeger

"Die Zeitenbummlerin" (Leonie Faber) GA-Tipp vom 09.04.2016

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht, je älter Sie werden?

Die Journalistin Josefine, 52 Jahre alt und frisch verlassen, soll Aussteiger, die erfolgreich aus der Hektik ihres bisherigen Lebens entkommen sind, für einen Artikel über das Thema „Entschleunigung- Das Glück der Langsamkeit“ interviewen.

Nach der schmerzlichen Trennung von Robert, der sie nach 18 glücklichen Jahren verlassen hat, wagt Josefine einen großen Schritt. Sie unternimmt die Reise zu Ihren Interviewpartnern mit dem Rad, auf sich alleine gestellt um das „Jetzt“ zu erobern und die Langsamkeit zu entdecken.

Auf ihrer Reise von Berlin-Mitte zur Ostseeküste und weiter nach Norwegen lernt sie langsam mit allen Widrigkeiten, die ihr auf der Radtour begegnen (Gegenwind, sengende Sonne, Regen, Steigungen, quälender Muskelkater, Rad reparieren) fertig zu werden und anzunehmen, was kommt. Sie genießt das achtsame Wahrnehmen von Landschaft, anderen Menschen und eigenen Gedanken. „Wenn man sich entschieden hat, aufzubrechen, dann trägt man die Ferne und die Sehnsucht schon in sich – und damit auch das Heimweh.“

Radtouren-Fahrer werden dieses Gefühl der „Entschleunigung“ kennen. In Zeiten der Alltags-Hektik sicher ein Grund, warum der Fahrradmarkt boomt. „Nutze die Gelegenheit, die sich bietet. Fahr nicht an dem vorbei, was dich einlädt - eintauchen in die eigene Stille“.

“Die Zeitenbummlerin” ist ein Buch über das Wagnis, sich auf den Moment einzulassen. Jeden Moment zu leben, niemals auszuweichen, weder dem Schrecklichen, noch dem Schönen und zu akzeptieren, dass diese Momente vorübergehen. Die Reise von Josefine wird zur Sinnsuche, zum Selbstversuch und zum Abenteuer.

Leonie Faber, alias Claudia Brendler, ist Musikerin, Dozentin und Autorin, lebt in Frankfurt a. M. und hat Teile der Strecke selber mit dem Fahrrad zurückgelegt.

 Ein leichtes und dennoch tiefsinniges Buch – schön zu lesen!

Gaby Seeger

 

"Oma lässt grüssen und sagt, es tut ihr leid" (F. Backman):

Elsa ist fast 8 und Außenseiterin und anders als andere Kinder in ihrem Alter. Sie wird in der Schule schikaniert und man erwartet von ihr, dass sie sich in der Schule anpasst. Sie kann unbequeme Fragen stellen und tut es auch. Ihre Oma ist 77, Ärztin und Elsas beste Freundin. Elsa liebt Superhelden und Wikipedia, während Oma nicht weiß, was Wikipedia ist, ihre Superkraft ist das Chaos. Und sie erzählt die besten Märchen, in denen sie Elsa in das Phantasieland Miamas entführt und ihr von Prinzessinnen, Worsen und anderen Märchenfiguren erzählt, um Elsa zu trösten. Zu Miamas gehört der magische, tröstliche Kleiderschrank in Omas Wohnung, in den sich Elsa flüchten kann. Wenn man dort die Augen fast ganz zu kneift, wie kurz vor dem Einschlafen, so gelangt man ins Fast-noch-wach-Land und erlebt wundersame phantastische Abenteuerreisen.

Wann immer Elsa traurig ist, weil sie wieder von Klassenkameraden schikaniert wurde, lässt Oma sich die verrücktesten Dinge einfallen, um ihre Enkelin aufzuheitern. Und dann stirbt Oma und Elsa ist plötzlich alleine. Doch Oma wusste, dass sie sterben wird und sie hat eine phantastische Abenteuerreise für ihre Enkelin hinterlassen, Nur Elsa kann Omas letzte Wünsche erfüllen und dazu muss sie wie auf einer Schnitzeljagd wichtigen Menschen aus Omas Leben Briefe mit Entschuldigungen vorbeibringen und lernt diese dadurch näher kennen.

Warum Oma mit dem Chaos wunderbar zurechtkommt, aber im Alltag überfordert ist, erfährt Elsa, als Oma von ihrem Beruf erzählt. Elsas Mutter blieb als Kind in Schweden zurück, während ihre Mutter in fernen Ländern Kindern das Leben rettete - und hasste den Beruf ihrer Mutter.

Eine wunderschöne, humorvoll geschriebene Geschichte über das Erwachsenwerden, Man erlebt mit Elsa ein Abenteuer nach dem anderen und oft nimmt es eine ungeahnte Wendung, nichts ist vorhersehbar, eben so wie im richtigen Leben.

 

Purity: Unschuld oder Reinheit? GA-Tipp vom 21.11.2015

Internet-Journalismus a la Wikileaks, der Untergang der DDR, ein paradiesisches Tal in Bolivien, dazu der typisch amerikanische Existenzkampf: Wie passt dies in eine Geschichte? Dazu die Frage: Bleibt sich Jonathan Franzen treu, der in seinen Romanen gerne Familienentwicklungen über Generationen ausleuchtet und dabei gesellschaftliche, soziale und politische Entwicklungen spiegelt? Soviel vorab: Ja, Franzen bleibt sich bei der Charakterstudie dysfunktionaler Familien treu und die vielen losen Enden dieser Geschichte passen auch diesmal.

Die Hauptperson in „Unschuld“, Purity Tyler, lebt in einer zunächst alles anderen als durch Reinheit (der besseren Übersetzung des amerikanischen Originaltitels „Purity“ anstelle von Unschuld) zu charakterisierenden Situation: Studienschulden, beruflicher Misserfolg, das nicht gelingende Abnabeln von der alleinerziehenden, spleenigen Mutter, die unglückliche Liebe zu einem verheirateten Mann. Antriebsfeder ihres nahezu selbstzerstörerischen, weniger reinen denn wütenden Handelns ist die Suche nach dem leiblichen Vater, ihrer Familiengeschichte und somit nach ihrer Identifikation. Durch Umstände, die erst später als nicht ganz zufällig zu erkennen sind, trifft die Amerikanerin auf Andreas Wolf, der als Internet-Aktivist und DDR-Bürgerrechtler weltweit für das Reine, für Transparenz und für Aufdeckung steht. Es bedarf vieler spannender, äußerst genauer, distanziert-ironisch beschriebener Charakterstudien und erstaunlicher Lebensläufe diesseits und jenseits des Atlantiks, um mit Purity den Grad der Reinheit in der Haltung der jeweiligen Protagonisten zu entdecken. Franzens Roman bietet nicht nur ein herausragendes sprachliches Vergnügen, das tiefe Eindringen in die deutsch-deutsche Trennungs- und Wiedervereinigungshistorie dürfte gerade dem deutschen Leser überraschende Einblicke und Perspektiven aufzeigen.


Gaby Seeger: "Schmutziger Schnee" (GA - Tipp vom 09.01.2016)

Sommer, Sonne, bunte Holzhäuser an blauen Seen: Das Schöne-Bilder-Schweden im Sonntagabend-Fernsehen. Das dunkle, depressionsbehaftete Schweden im Winter der Mankells und Larssons – gegensätzlicher sind ein Land und seine Einwohner kaum darstellbar und auch „Schmutziger Schnee“ von Christoffer Carlsson bezieht Position: Im düsterst möglichen, winterlichen Schweden der sozialen Brennpunkte, des politischen Untergrunds und der psychisch belasteten Einzelgänger. Der ermittelnde Kommissar Leo Junker, gezeichnet durch traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit und sowohl mit einer schwierigen Beziehung als auch mit einer veritablen Tablettensucht ausgestattet, trotzt den Widerständen. Dies sind neben seinen Selbstzweifeln vor allen Dingen ein misstrauischer Polizeiapparat sowie ein undurchsichtig agierender Geheimdienst, welche es ihm erschweren, den Mord an einem Soziologen der Uni Stockholm aufzuklären. Das komplexe Geflecht an persönlichen Beziehungen, politischer Einordnungen der rechten und linken Randgruppen des schwedischen Untergrunds sowie die Erzählweise des Autors, der gerne und viel zwischen diversen Erzählperspektiven und verschiedenen Zeitebenen wechselt, stellt nicht nur für Leo Junker, sondern auch für den Leser eine Herausforderung dar. Dieser Krimi ist daher eher als konzentrierte Wochenend-Lektüre mit viel Zeit zu empfehlen denn als über Wochen gestreckter allabendlicher Gute-Nacht-Krimi. Dabei ist nicht nur Spannung und intellektuelle Herausforderung angesagt, sondern „Schmutziger Schnee“ ist aktueller als der Autor zum Zeitpunkt des Schreibens wissen konnte: Das Spannungsfeld zwischen Flüchtlingspolitik, Ausländerfeindlichkeit, dem Gewaltmonopol des Staates und schlichter Polemik prägt mittlerweile – jenseits der je nachdem naiv-bunten oder grau-düsteren Betrachtungsweise – die aktuelle gesellschaftliche Diskussion unsers nördlichen Nachbarn.  

 


 

Gaby Seeger hat "Montecristo" von Martin Suter für Sie gelesen - Buchtipp aus dem General-Anzeiger:

Der IC Von Zürich nach Basel. Müde Banker am Ende eines langen Arbeitstages. Effizient, einsam, zynisch. Das Ziehen der Notbremse im Tunnel wegen eines „Personenschadens“ durchbricht den tristen Pendleralltag. Jonas Brand, ein Videojournalist, naiv, neugierig und unorthodox fängt mit der Kamera Szenen und O-Töne von zunächst geringer Bedeutung ein. Da Martin Suter den Mikrokosmos der Schweizer Bankenwelt mit dem Alles-hat-mit allem-zu-tun eines typischen Verschwörungskrimis kombiniert, ahnt der Leser bereits vor dem Protagonisten, dass der „Personenschaden“, das Entdecken zweier identischer Banknoten, das Auftauchen einer attraktiven Geliebten, weitere Un- und Überfälle sowie das kühle Desinteresse der Schweizer Polizei kein Zufall sind. Und dann ist da noch das Montecristo-Filmprojekt, durch welches der chronisch erfolglose Videojournalist zum gefragten Filmregisseur mit Blockbusterqualitäten zu mutieren scheint. Als aus der erdachten Drehbuchvorlage Realität zu werden droht, dämmert auch Jonas Brand, dass wohl nichts so ist wie es zu sein scheint.

Martin Suter reduziert ein zentrales Wirtschaftsthema, die Krise der Banken, die Fragen von Systemrelevanz und Staatsräson, auf wenige Protagonisten und deren Abhängigkeits- und Verschwörungsgeflecht. Nicht nur Suter-Fans, die die feine Beobachtungsgabe des Autors verbunden mit seiner geschliffenen, differenzierenden und oftmals distanzierten Rhetorik schätzen, werden den Roman mögen, sondern alle Leser, die es lieben, kleine, scheinbar unbedeutende Puzzleteilchen zu Verschwörungstheorien von globaler Bedeutung zusammen zu legen. Es bleibt die Frage nach der Schreibweise des Titels: Ist dies der Fingerzeig auf das an Dantes Romanfigur angelehnte Filmprojekt oder derjenige auf die zigarrenrauchende Macht hinter den gläsernen Fassaden?


Gaby Seeger hat "Bäume reisen nachts" für Sie gelesen -  mein Buchtipp aus dem General-Anzeiger

Seit Monaten verbringt Manon, ein achtjähriges Mädchen, ihre Nachmittage allein unter einer Birke. Sie liest ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, damit sie nicht an das spurlose Verschwinden ihrer Mutter Anais denken muss.
Ihr Vater Pierre vegetiert seitdem in der Wohnung, verliert sich im Selbstmitleid anstatt seiner Tochter zur Seite zu stehen.
Auch ihre Tante Sophie, die mit im Haus lebt, und sich seit dem plötzlichen Verschwinden ihrer Schwester um die kleine Familie kümmert, kann ihre Nichte nicht trösten.

Das traurige Mädchen rührt den über achtzigjährigen Anatole, einen gebrechlichen, einsamen und mürrischen Französischlehrer. Er nimmt sich ihrer an und liest ihr jeden Nachmittag aus dem Buch „Der kleine Prinz“ vor. Manon ist vom „Kleinen Prinzen“ total fasziniert.
So entsteht zwischen den beiden eine außergewöhnliche Freundschaft, die dem Mädchen in ihrer Verzweiflung Halt gibt und dem alten Mann hilft, sich wieder nützlich zu fühlen.

Nach Monaten der Ungewissheit um das Verbleiben der Mutter, treffen überraschend Briefe von Anais aus Marokko ein, in denen sie versucht, ihr Handeln zu erklären. Daraufhin schmieden Anatole und Manon einen Plan: gemeinsam mit Pierre und Tante Sophie wollen sie die Mutter in Marokko finden.
So begibt sich das ungleiche Quartett auf eine abenteuerliche Reise von Europa bis nach Afrika, die sie an ihre Grenzen, aber auch viel näher zusammenbringt.

Das Buch erzählt von einer Reise, die alle vier Personen stark prägt, über die Freundschaft ungleicher Menschen und über eine Familie, die sich wieder neu findet.

Ein magisches Buch, das den Leser mit auf eine Reise nimmt. Es entführt an schöne Orte und man sieht die Charaktere förmlich mit all ihren Eigenheiten vor sich. Abgerundet durch das schöne schlichte Cover – ist es einer dieser einfühlsamen, französischen Romane.


 


 

H. Schiffer hat: "In der Nacht" von Dennis Lehane gelesen:

Dennis Lehane erzählt in diesem Buch die Geschichte von Joseph „Joe“ Coughlin, welcher als Sohn eines hochrangigen Polizisten, im Boston der 20er Jahre, vom Handlanger eines mächtigen Gangsterbosses zum mächtigsten Rumschmuggler Kubas avanciert.

Dies ist jedoch nicht die Geschichte eines skrupellosen Gangsters, sondern beschreibt das Leben eines, wie er sich selbst nennt, Gesetzlosen.

Joe verliebt sich in Emma, die Freundin Albert Whites, des mächtigsten Gangsters in Boston. Die beiden beschließen zu fliehen, Joe wird gefasst und muss ins berüchtigte Charleston State Prison. Dort lernt er Whites Konkurrenten Maso kennen, welcher ihn unter seine Fittiche nimmt. Mit Herz und Verstand baut Joe zur Zeit der Prohibition ein Rumschmugglerimperium auf und lernt hierbei die Liebe seines Lebens kennen.

Dieser Roman fesselt von der ersten Seite an und zeigt einen Menschen mit Ecken und Kanten, einen sympathischen Mann, der sich für ein Leben neben dem Gesetz entschieden hat und nun versucht allen Widrigkeiten zum Trotz, die schützen, die er liebt. Trotz seiner oft brutalen Taten stellt er sich seiner Verantwortung und reflektiert sein Tun und fragt sich mehr als ein Mal ob er die feine Differenzierung zwischen Gangster und Gesetzlosem wirklich halten kann. Ein spannendes und mitreißendes Buch. Wahrlich ein Gangster Epos!


Gaby Seeger hat "Die Sache mit meiner Schwester" von Anne Hertz gelesen:

Erzählt wird die Geschichte der Schwestern Nele und Heike, die sich als erfolgreiches Autorinnen-Duo feiern lassen, während hinter den Kulissen eigentlich nur noch ein Zickenkrieg tobt. Ein schlimmer Autounfall führt dazu, dass die Schwestern sich schließlich mehr mit dem Leben der anderen auseinandersetzen müssen, als ihnen das auch nur annähernd lieb ist …  Toller Lesestoff in der gewohnten Form, aber es fühlt es sich an, als wäre Anne Hertz ein bisschen erwachsener geworden.

Spannend sind die Parallelen zu den Autorinnen hinter Anne Hertz. Was könnte wahr sein an der Story, wo haben sie etwas dazu erfunden? Und was kann es schöneres geben als dass ein Roman auch noch die eigene Fantasie so richtig in Fahrt bringt.



Gaby Seeger hat "Die verborgene Sprache der Blumen" von Vanessa Diffenbaugh gelesen:

Das Wichtigste im Leben der jungen Victoria sind Blumen. Sie weiß alles über sie und kennt vor allem ihre Bedeutung. Aufgewachsen in Waisenhäusern und Pflegefamilien, rettet dieses Wissen sie immer wieder. Mit 18 findet Victoria Arbeit in einem Blumenladen und bindet mit viel Erfolg und Einfühlungsvermögen für jeden Kunden den richtigen Strauß: Myrte für Liebe, Jasmin für Nähe, Maiglöckchen für Rückkehr des Glücks. All das wünscht sich Victoria auch, als sie Grant kennenlernt. Erstaunt stellt sie fest, dass er ebenfalls die Sprache der Blumen versteht – und sie von demselben Menschen gelernt hat wie sie selbst …

Dieses Buch ist sehr berührend geschrieben, sehr empfehlenswert!!


 

H. Schiffer - "Das Dorf der Mörder" von Elisabeth Herrmann:

 

Eine grausam zugerichtete Leiche wird im Berliner Tierpark gefunden. Die vermeintliche Täterin ist schnell gefasst und ihre Weigerung sich zu äußern, wird der verschlossenen Tierpflegerin Charlie Rubin schnell als Geständnis ausgelegt. Die Streifenpolizistin Sanela Beara, welche zuerst am Tatort war, hat aber Zweifel an dieser bequemen Lösung. Sie beginnt auf eigene Faust und gegen den Widerstand der Vorgesetzten zu ermitteln. Auch der junge Psychologe Jeremy Saaler, mit dem Gutachten über die Täterin beauftragt, hat Zweifel an dem dargestellten Tathergang. Und so versucht auch er zu ergründen, warum die Tierpflegerin das Opfer betäubt und ins Gehege geworfen haben soll. Schnell wird auch ihm klar, dass die Lösung des Rätsels in der Kindheit der vermeintlichen Täterin und in dem kleinen brandenburgischen Heimatdorf Charlie Rubins zu suchen ist. Die Autorin beschreibt in ihrem Thriller eine scheinbar sinnlose Bluttat und die darin verstrickten Personen sehr authentisch, die Charaktere sind jeder für sich sehr detailliert und stimmig dargestellt und agieren glaubwürdig. Obwohl der Fall schnell klar zu sein scheint, schafft die Autorin, die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten.....


H. Schiffer - „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green:

Ich kann mich nicht erinnern, jemals bei der Lektüre eines Buches geweint zu haben. Beim Lesen von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ habe ich geweint.

Dieses Buch ist so zu Herzen gehend, so traurig und dennoch auch lustig und mit großem Witz geschrieben, dass es einen einfach nicht kalt lässt.Diese beiden jungen Leute meistern ihr tragisches Schicksal mit Contenance und einem teilweise sehr schwarzen Humor der seinesgleichen sucht. Dass ihre Geschichte kein Happy End haben kann, weiß man schon von Beginn an, dennoch ist dieses Buch auf keinen Fall vorhersehbar oder gar langweilig.

John Green erzählt so unterhaltsam und wendungsreich, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Und auch nach dem Ende lässt es einen noch nicht los.


Gaby Seeger hat "Ganz normale Helden" von Anthony McCarten gelesen:

Der 18-jährige Jeff, dessen Avatar „Merchant of Menace“ ein erfolgreiches Heldenleben in dem Computerspiel „Life of Lore“, „LoL“ (!) führt, hat in der Realität gestrichen die Nase voll von seinem Elternhaus. Von der Schule sowieso. Nachdem sein kleiner Bruder vor einem Jahr an Krebs gestorben ist, hat er sich redlich bemüht, seine auseinanderdriftenden Eltern zusammenzuhalten. Seine Mutter schnüffelt ihm nach und reagiert panisch, wenn er sich nur um wenige Minuten verspätet und hat sich ansonsten ganz in ihrem Schmerz vergraben. Sein Vater, ein erfolgreicher Rechtsanwalt,  schnappt sich den Laptop und lässt das familiäre Elend hinter sich. Seine Eltern stehen sich schon bald darauf mit offenem Visier gegenüber. Der eine, der sich in der ländlichen Idylle verschanzt und die andere, die ihren Schmerz nicht lassen will und die Bewältigung der Trauer als Verrat begreift......
Das Internet ist hier ständig präsent und es zeigt sich deutlich, wie sehr es im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte besonders mit seinen dunklen Seiten unsere Gesellschaft verändert hat.


H. Schiffer - "Ein plötzlicher Todesfall" von J.K. Rowling:

"Ein plötzlicher Todesfall" ist J.K.Rowling´s erster Roman für Erwachsene und hat mit Harry Potter gar nichts zu tun.

Das Buch ist ein sozialkritisch und in Zügen sogar eine Sozialsatire, da einige Figuren sehr überzeichnet dargestellt werden. Die Handlung spielt in Pagford, einer scheinbar idyllischen Kleinstadt irgendwo in England: Der völlig überraschende Tod eines Gemeinderates und der damit frei gewordene Sitz im Rat setzt einen Mechanismus in Gang, welcher die sorgfältig gehüteten Geheimnisse der Bewohner von Pagford gnadenlos aufdeckt. Es beginnt ein Kampf, nicht nur zwischen den Anhängern Barry Fairbrothers und deren Gegnern, sondern auch innerhalb der betroffenen Familien. J.K. Rowling greift bei der Beschreibung der Leute und ihrer Kämpfe oft zu einer sehr derben Sprache, was manch einen irritieren mag, aber meiner Meinung nach authentisch wirkt.

Dieses Buch ist trotz des ungewöhnlichen Themas spannend und teilweise sogar dramatisch. Es ist auch trotz der fehlenden Sympathieträger oft anrührend und aufwühlend.


 

Gaby Seeger hat "Bitter Lemon" von Wolfgang Kaes" gelesen:
Menschenhandel in der heutigen Zeit - Schauplatz Köln-Eigelstein. Auch der 5. Krimi von Wolfgang Kaes ist wieder hervorragend recherchiert und brilliant geschrieben. Der flüssige Erzählstil, leichte Ironie und ein brisantes Thema lassen den Leser nicht los. Auch wenn die "Bösen" sehr schnell bekannt sind, fiebert man dem Ende entgegen, um zu erfahren, ob die Guten nicht doch eine Chance haben. Ihre Zivilcourage und ihr Einfallsreichtum lassen sie zu den wahren Gewinnern werden.
Auch wenn uns Max Maifeld in diesem Roman nicht begegnet, ist es ein absolut tolles, spannendes und vor allem stilistisch geschliffenes Buch, das einem viel Stoff zum Nachdenken gibt.

 


H. Schiffer - "Loreley singt nicht mehr" von Judith Merchant:
Der 2. Fall für den ermittelnden Kommissar Jan Seidel handelt von einer Leiche, welche ein Angler aus Königswinter am Haken hat.

Schon bald stellt sich heraus dass die Leiche nicht zufällig in Königswinter angeschwemmt wurde, sondern dass es eine Verbindung zur Familie des Anglers gibt. Außerdem sind da die beiden befreundeten und sehr unterschiedlichen Nachbarinnen Juli und Marla welche Seidel und seinen Kollegen Rätsel aufgeben.

Die Sprache ist, wie schon im "Nibelungenmord" dicht und atmosphärisch, die Handlung wird ohne Hektik vorangetrieben, ohne langweilig zu werden. Die Figuren sind psychologisch komplex gezeichnet, nichts erscheint übertrieben, alles könnte genau so in Wirklichkeit geschehen sein. Sowohl die beiden Freundinnen und ihre Familien, als auch die Reibereien Seidels, mit seiner oft unbequemen Kollegin Elena, wirken sehr natürlich und nie aufgesetzt.

Auch wenn man als Leser relativ früh glaubt zu wissen wie sich die Dinge abgespielt haben, hält "die Loreley" am Ende doch noch eine Überraschung bereit. Spannung mit Lokalkolorit!


H. Schiffer - "London Killing"  von Oliver Harris:
Nick Belsey verkörpert das Bild des schlechten Polizisten: er steckt in finanziellen Schwierigkeiten, trinkt zu viel, denkt nur an seinen Vorteil und ist korrupt bis ins Mark.
Als ihm auch noch ein Dienstaufsichtsverfahren droht, beschließt er sich aus dem Staub zu machen. Da kommt ihm das Verschwinden eines dubiosen Geschäftsmannes gerade recht. Er beginnt dessen Leben zu übernehmen und muss nur noch für Startkapital sorgen. Doch dabei kommt er jemandem in die Quere, der ähnliche Pläne zu haben scheint. Belsey beginnt zu ermitteln, parallel zu den offiziellen Ermittlungen, mit denen er betraut wird. Doch je mehr er aufdecken kann, desto mehr versinkt er im Sumpf von Korruption und Gewalt und desto schwieriger wird es für ihn seinen eigenen Fallen aus dem Weg zu gehen. Schon bald muss Nick Belsey erkennen, dass er in ernsten Schwierigkeiten steckt.
Auch wenn dieser Ermittler nicht das ist, was man gemeinhin als Vertreter von Recht und Ordnung bezeichnen würde, so schafft es der Autor dennoch dass der Leser ihn durchaus als Sympathieträger anerkennt und bei seiner Odyssee durch die halbseidene Finanzwelt Londons mitfiebert.

Mir hat das Buch gerade wegen der ungewöhnlichen Hauptfigur gut gefallen. Spannend und originell!


Gaby Seeger hat "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge gelesen:
Eine wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie aus der damaligen DDR. Die Strahlkraft des real existierenden Sozialismus nimmt von Generation zu Generation ab.
Die Großeltern, noch überzeugte Kommunisten, die nach jahrelangem Exil aus dem fernen Mexiko zurück in die noch junge DDR zurückkehren.
Der Sohn, nach Sibirien verschleppt, kehrt mit seiner russischen Frau zurück, im Glauben an eine bessere Welt, der Enkel, dem die Gesellschaft, in der er hineingeboren wird, zusehends zu eng wird und schließlich in den Westen geht, um dort sein Glück zu finden. Drei Generationen - eine Geschichte.
Dem Autor ist es mit seinem Werk gelungen, dem Leser auf sehr menschliche, komische, reife Art von der Gründung bis zu ihrem Niedergang über ein Land zu berichten, das es nicht mehr gibt.
Sehr empfehlenswert!!